Wenn zahlreiche erwachsene Menschen ganz freiwillig an einem Sonntag ein Schulgebäude betreten, dann kann es dafür nur einen guten Grund geben: Die nächste Wahl steht an! Und wenn in den Tagen vor der Wahl schon zahlreiche Jugendliche ihre Stimme abgeben, dann kann es auch dafür nur einen guten Grund geben: Diese Schule nimmt an der Juniorwahl teil!
Am Mörike ist es schon lange Tradition, dass sich die Schule am Projekt „Juniorwahl“ beteiligt. Das ist auch im Vorfeld der Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März 2026 nicht anders. Lange Schlangen bilden sich vor dem Kopierraum, der für ein paar Tage zusätzlich als Wahllokal dient. Alles soll so authentisch und realitätsnah wie möglich sein. Die Schüler*innen haben ihre Wahlbenachrichtigung dabei und erhalten einen Stimmzettel, der fast genauso aussieht wie der echte. Das Wichtige: Alle Parteien und Direktkandidat*innen des Wahlkreises Stuttgart I stehen zur Auswahl. Mit dem Stimmzettel gehen die Schüler*innen in die Wahlkabine, setzen im Geheimen ihre Kreuze und werfen ihn dann gefaltet in die versiegelte Urne.
Innerhalb von einer Viertelstunde kann so eine ganze Schulklasse wählen. Dass der Urnengang selbst so rasch und reibungslos verläuft, liegt an den Schüler*innen der 9aG: Acht von ihnen haben sich in einem kleinen Workshop zu Wahlhelfer*innen ausbilden lassen und führen die Wahl durch. Entspanntes Zurücklehnen für die Lehrkräfte: Das funktioniert so gut, dass keine Hilfe nötig ist. Nachdem alle Klassen gewählt haben, zählt die 9aG auch selbst die Stimmen aus. Insgesamt 182 gültige Stimmzettel waren es am Ende – was einer Wahlbeteiligung von 86,5 % entspricht.

Die Ergebnisse sind in der Grafik oben abgebildet. Wenn man beachtet, dass nur Parteien in den Landtag einziehen, die die 5-Prozent-Hürde schaffen, schrammen die Grünen im Mörike-Wahlergebnis nur knapp an der absoluten Mehrheit vorbei. CDU und AfD erhalten im Vergleich zur Landtagswahl weniger als die Hälfte der Stimmen, dafür schneiden SPD, Linke und FDP besser ab. Volt erzielt ein respektables Ergebnis und hätte fast den Einzug in den Mörike-Landtag geschafft. Das Ergebnis bei den Erststimmen fällt jeweils ähnlich aus.
Die bei der Juniorwahl abgegebenen Stimmen fließen natürlich nicht in das Ergebnis der „echten“ Landtagswahl ein. Aber einige Schüler*innen der 10. Klasse haben ihren 16. Geburtstag schon gefeiert und sind daher – neben der Juniorwahl – auch bei der Landtagswahl zum Urnengang berechtigt. Im Unterricht wurden sie und ihre jüngeren Klassenkamerad*innen von den Gemeinschaftskunde-Lehrkräften mit der Wahl vertraut gemacht: Warum habe ich eigentlich zwei Stimmen? Welche Parteien treten an und für welche Ziele treten sie ein? Und wie formt sich dann nach der Wahl eine Regierung? Keine Frage blieb dabei unbeantwortet.
Die Juniorwahl lässt durch ihr handlungsorientiertes didaktisches Konzept auch die Jüngeren Politik hautnah erleben. Daher steht außer Frage, dass das Mörike auch bei der nächsten Juniorwahl wieder mit dabei ist. Denn wer schonmal bei der Juniorwahl mitgemacht hat, für den ist es bestimmt keine große Hürde mehr, auch zur richtigen Wahl zu gehen. Und das ist gut so: Wählen gehen ist die einfachste Form der politischen Beteiligung – und nur wenn viele junge Menschen ihre Stimme abgeben, können ihre Meinungen auch in der Politik Gehör finden.
(Text und Grafik: T. Bausenhart)