Ja, die Kultur ist zurück am Evangelischen Mörike!

Am 7. und 8. Juli 2021 hat die Arbeitsgemeinschaft „Theater am Mörike“ ihre neue Produktion

„Der Fall Franz W.“

vorgestellt.

Georg Büchners „Woyzeck“ verhandelt die Geschichte des Soldaten Franz Woyzeck, der seine Geliebte Marie ersticht – ein Kriminalfall, der auf einer wahren Geschichte basiert. Im Laufe des Stücks werden die Lebensumstände und Sozialkreise des Täters schlaglichtartig betrachtet. Büchners Szenen sind kurz, scheinbar lückenhaft, eine festgelegte Reihenfolge gibt es nicht – dies zeigen die verschiedenen „Handschriften“ (mindestens vier Versionen). Sie lassen damit Raum für Interpretationen und zeigen die Schwierigkeiten, am Ende zu einem gerechten Urteil zu kommen.

Das Konzept der Arbeitsgemeinschaft „Theater am Mörike“ sieht mindestens zwei Produktionen im Jahr vor. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer soll zumindest einmal im Schuljahr die Gelegenheit haben, auf einer Bühne zu stehen und in einem Theaterstück mitzuwirken. Nach „Herrn Fabians Blick in die Flammen“, das im März seine Online-Premiere hatte, wurde durch den pandemiebedingten Distanzunterricht und die anschließende „Kohortentrennung“ die Zeit zur Entwicklung und Erprobung eines neuen Projekts denkbar knapp. Dennoch sollte das Stück unbedingt auf die Bühne.

Trotz der widrigen Umstände und vieler Einschränkungen – die Vorstellungen konnten nur vor einem kleinen Publikum stattfinden, ein Hygiene-Konzept war erforderlich – konnte das Stück an zwei Abenden gezeigt werden. Schon vor den Veranstaltungen war zu spüren, dass die gesamte Situation eine ungewöhnliche Atmosphäre mit sich brachte: Statt lockerem Gedränge mit lauten Begleitgeräuschen vieler Menschen, die sich noch mehr zu erzählen haben, nun eine kleine Anzahl Maskierter mit Testnachweis und Impfbuch. Dennoch konnten die beiden Abende auf ihre Weise „zünden“. Alle Schauspielerinnen und Schauspieler konnten ihre Arbeit präsentieren, woraus letztlich ein insgesamt geschlossenes Stück geworden ist – bemerkenswert, in vielerlei Hinsicht.

Fotos: H. Klingenfuß

Kategorien: Theater